Die möglichen Interessenkonflikte der Fr. Dr. Pötschke-Langer

Wie den meisten bekannt sein dürfte spielt Frau Pötschke Langer bei den Beratungen des Gesetzgebers in Bezug auf die Umsetzung der TPD 2 in nationales Recht eine nicht unerhebliche Rolle. 
Auch bei darüber hinausgehenden Regulierungen von Tabakprodukten und elektrischen Zigaretten spielt sie in der öffentlichen Wahrnehmung bei der Meinungsbildung des Gesetzgebers eine maßgebliche Rolle - wenn nicht gar die wichtigste.

Da hier eine einzelne Person maßgeblich zur Meinungsbildung des Gesetzgebers beiträgt möchte ich vom Gesetzgeber wissen:
Ist dem Gesetzgeber ein möglicher Interessenkonflikt von Frau Pötschke-Langer bekannt ?
Wenn ja, wie wird mit diesem umgegangen ? 

Wieso ich diese Frage stelle ?

Frau P.L. ist neben ihrer Tätigkeit beim DKFZ Mitglied im sogenannten "Wissenschaftlichen Aktionskreis Tabakentwöhnung (WAT) e. V."

Ein Auszug aus der Zielsetzung des Vereins:

Zitat: 

Im Zentrum des Interesses stehen die psychologischen, sozialen und biologischen Grundlagen des Rauchens, die Eingang in die Raucherentwöhnung finden sollten. Künftige Entwicklungen in der Tabakentwöhnung sollten auf eine höhere Effizienz der verwendeten Methoden unter Verwendung eines breiteren Methodenspektrums und einer an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepaßten Therapie zielen.

Der WAT versteht sich unter dieser Zielsetzung als unabhängiges Gremium von Wissenschaftlern, die sich der Aufgabe verpflichten, aktuelle Entwicklungen in der Raucherentwöhnung zu fördern, zu bewerten und zu verbreiten.


Quelle:http://www.wat-ev.de/ueber-den-wat/zielsetzung/
Den fett markierten Teil erstmal so hinnehmen, gegen Ende des Textes wird dieser noch etwas konkretisiert...

Es folgen Auszüge aus den Tagungsprogrammen des Vereins:


Zitat: 

Für die freundliche Unterstützung danken wir folgenden Firmen:
AstraZeneca GmbH, Wedel
Pfizer Consumer Healtcare GmbH, Karlsruhe
...
Referenten und Vorsitzende
...
Pötschke-Langer, Dr. Martina
Deutsches Krebforschungszentrum
WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle
Heidelberg
...

Quelle: www.wat-ev.de/2005_Material/WAT-Programm1-2005.pdf

Zitat: 

Für die freundliche Unterstützung danken wir folgenden Firmen:
AstraZeneca GmbH,Wedel
GlaxoSmithKline Consumer Healthcare GmbH & Co.KG, Bühl
Pfizer Consumer Healthcare GmbH, Karlsruhe
...
Referenten und Vorsitzende
...
Pötschke-Langer, Dr. Martina
Deutsches Krebsforschungszentrum
WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle
Heidelberg
...

Quelle:http://www.wat-ev.de/2007_Material/programm-2007.pdf

Zitat: 

Referenten und Vorsitzende
...
Pötschke-Langer, Dr. Martina
Deutsches Krebsforschungszentrum
WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle
Heidelberg
...
Für die freundliche Unterstützung danken wir folgenden Firmen:
GlaxoSmithKline Consumer Healthcare GmbH & Co. KG, Bühl
McNeil GmbH & Co. oHG, a Johnson & Johnson Company, Neuss
Pfizer Pharma GmbH, Karlsruhe

Quelle:http://www.wat-ev.de/2008_Material/WAT-Prog%2008.pdf

Zitat: 

Für die freundliche Unterstützung danken wir u. a.
McNeil Consumer Healthcare GmbH, Neuss
...
Referenten und Vorsitzende
...
Pötschke-Langer, Dr. Martina
Deutsches Krebsforschungszentrum
WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle
Heidelberg

Quelle:http://wat-ev.de/2009_Material/WAT2009_programm.pdf

Zitat: 

Für die freundliche Unterstützung danken wir u. a.
McNeil Consumer Healthcare GmbH, Neuss
...
Referenten und Vorsitzende
...
Pötschke-Langer, Dr. Martina
Deutsches Krebsforschungszentrum
WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle
Heidelberg

Quelle:http://www.wat-ev.de/2010_Material/WAT2010_Programm.pdf

In späteren Jahren findet die Veranstaltung ohne die freundliche Unterstützung von Firmen statt.
Das mag eventuell an der FSA (Freiwille Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie) liegen:

Zitat: 

Im Jahr 2010 wurde die freiwillige Selbstkontrolle ausgeweitet und Empfehlungen für die Zusammenarbeit von Pharmaunternehmen mit Einrichtungen im Gesundheitswesen und deren Mitarbeitern erarbeitet. Dazu gehören etwa Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen oder Behörden.


Quelle:https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwillige_Selbstkontrolle_f%C3%BCr_die_Arzneimittelindustrie


Dafür dann "In Kooperation mit der Sektion Suchtforschung, Uniklinik Tübingen". Der Leiter der Sektion Suchtforschung
ist Prof. Dr. Anil Batra, zeitgleich Vorstand des WAT, und auch jeweils in der Referentenliste der WAT-Tagungen aufgeführt.


Dieser veröffentlicht im übrigen folgende Interessenskonflikte:

Zitat: 

Der Autor erhielt Honorare für Gutachten von Pfizer Consumer Health Care und
Honorare auf ein Drittmittelkonto von Pfizer, Sanofi, McNeil sowie Pfizer Consumer
Health Care.

Quelle:https://www.aerzteblatt.de/pdf/109/14/m265.pdf

und

Zitat: 

Durchführung von Pharmakotherapiestudien
(Alkermes, Pfizer GmbH, Pfizer Consumer Health Care, Sanofi Aventis
McNeil, GlaxoSmithKline)


Quelle:https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Deutsche_Konferenzen_fuer_Tabakkontrolle/12_Deutsche_Konferenz_fuer_Tabakkontrolle/Batra_A_2014_S3_Leitlinie.pdf


Auch von weiteren (nicht von allen!) Mitgliedern des WAT finden sich Verweise auf Zuwendungen der Pharmaindustrie.

Betrachten wir mal die Zuwendungsgeber im Einzelnen:
Pfizer: Hersteller von Champix (Rauchentwöhnungspille), Hersteller von Nicotrol Inhaler, vermutlich auch Pflaster und Kaugummis
GlaxoSmithKline: Markeninhaber der Produktpalette Nicorette, umfasst Nikotinkaugummis, Nikotinbonbons, Nikotinpflaster, Nikotinmundspray, Nikotininhalator, Nikotinnasenspray
McNeilConsumer Healtcare: Subunternehmen von Johnson & Johnson, Hersteller der Nicorette-Produktpalette von GlaxoSmithKline


Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass derlei "Unterstützung" in Pharmakreisen keine Besonderheit ist, es ist jedoch mehr als schwierig sich vorzustellen daß hier keinerlei Interessenskonflikte vorliegen.
....
Aber selbst wenn man diesem Argument noch stattgeben wollte, 
das Beste kommt wie immer zum Schluss:
Der Wissenschaftliche Aktionskreis Tabakentwöhnung e.V. ist selbst ein Produkt der Pharmaindustrie,

gegründet auf Auftrag der Novartis Consumer Health GmbH, mit der Zielsetzung die Vermarktung der Produktreihe Rauchentwöhnung Nicotinell (Kaugummis, Pflaster, Lutschtabletten) zu fördern.


Ja, klingt nach Verschwörungstheorie, aber das "Projekt" findet sich nun mal in den Referenzen einer PR-Firma:

Zitat:

Kunde: Novartis Consumer Health 
Produkt: Nicotinell 
Aufgabe: Fach-PR, Switch Rx-OTC, Consumer-PR
Lösung: Aufbau und Etablierung "Wissenschaftlicher Aktionskreis Tabakentwöhnung (WAT)" und "Info-Büro Tabak-Entwöhnung", Meinungsbildnerarbeit, Gewinnen von spokespersons, Fach- und Publikumsmedienarbeit, Funk- und Tageszeitungs-Aktionen, Auftritte in Talkshows, Funk- und TV-Material, Beratungs-Telefon

PrimärQuelle: http://www.klinksiek-pr.de/html/03.html

Sekundärquelle: da die Vermutung naheliegt, daß der Inhalt der Primärquelle zeitnah entfernt werden wird.:
http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:OgsWZQ42o0EJ:www.klinksiek-pr.de/html/03.html+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de


Somit ist Frau P.L. Mitglied in einem Verein der von der Pharmaindustrie gegründet wurde um den Absatz der eigenen Produkte durch PR zu fördern.
Man beachte auch nochmal den fett markierten Teil der Satzung, jetzt wird klar was diese schöne Formulierung eigentlich bedeutet.


Autor:
Unbekannt - aus dem Diskussionthread der Petition 61453